Arthrose beim Hund: Anzeichen, Behandlung, Spondylose und HD
Ihr Hund steht morgens langsamer auf, zögert vor der Treppe oder läuft nach dem Liegen steif. Das können Anzeichen einer Arthrose sein, einer der häufigsten Gelenkerkrankungen bei Hunden. Arthrose ist laut internationaler Behandlungsleitlinie eine fortschreitende Erkrankung der Gelenke und nicht heilbar. Mit der richtigen Behandlung und einigen Anpassungen im Alltag lassen sich Schmerzen und Einschränkungen aber oft gut in Grenzen halten. Dieser Beitrag erklärt, woran Sie Arthrose beim Hund erkennen, wie Tierärzte behandeln und was hinter den Röntgenbefunden „Spondylose“ und „HD“ steckt.
Aktuell: Neues zur Arthrose-Forschung
Arthrose betrifft nicht nur alte Hunde. In einer 2024 veröffentlichten Studie zeigten 39,8 Prozent von 123 Hunden zwischen acht Monaten und vier Jahren im Röntgen Arthrose-Zeichen in mindestens einem Gelenk. Die Halter hatten nur in etwa 30 Prozent dieser Fälle etwas bemerkt.
Auch bei der Behandlung gibt es Bewegung: Am 1. April 2026 teilte das Paul-Ehrlich-Institut mit, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur für ein Arthrose-Schmerzmittel mit dem Antikörper Bedinvetmab eine aktualisierte Packungsbeilage empfiehlt, um auf sehr seltene Nebenwirkungen am Bewegungsapparat hinzuweisen. Das Mittel bleibt zugelassen. Für Halter heißt das vor allem: Die Schmerztherapie gehört in tierärztliche Hand, und Auffälligkeiten sollten Sie Ihrer Tierarztpraxis melden.
Wie häufig ist Arthrose beim Hund?
Eine große Auswertung aus britischen Tierarztpraxen (VetCompass) ergab, dass jedes Jahr bei 2,5 Prozent der Hunde eine Arthrose diagnostiziert wird. Das Risiko steigt steil mit dem Alter: Hunde ab neun Jahren hatten ein rund 29-fach, ab zwölf Jahren ein rund 54-fach höheres Risiko als Hunde unter drei Jahren. Im Mittel wurde die Arthrose mit 10,5 Jahren erstmals festgestellt. Ein höheres Risiko hatten Rassen wie Rottweiler, Labrador und Golden Retriever sowie Hunde mit einem Körpergewicht über dem Rassedurchschnitt. Die oft zitierte Zahl, jeder fünfte Hund habe Arthrose, stammt übrigens aus dem Jahr 1997.
Arthrose, Spondylose, Hüftdysplasie: Was ist was?
- Arthrose: Der Gelenkknorpel nutzt sich ab, das Gelenk verändert sich, es entstehen Schmerzen und Steifheit. Beim Hund steckt laut MSD Veterinary Manual meist eine Entwicklungsstörung dahinter, etwa Hüft- oder Ellbogendysplasie oder eine Kniescheibenverlagerung.
- Spondylose (Spondylosis deformans): Knöcherne Zubildungen an den Wirbeln. Sie sind mit dem Alter sehr häufig, mit neun Jahren betreffen sie 25 bis 70 Prozent aller Hunde. Laut MSD Veterinary Manual ist die Spondylose „typischerweise ein Zufallsbefund“ im Röntgen und steht nicht mit Beschwerden in Zusammenhang. Hat der Hund Rückenschmerzen, sucht die Tierarztpraxis nach der eigentlichen Ursache.
- Hüftdysplasie (HD): Eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, die zu Arthrose führt. Laut Veterinärmedizinischer Universität Wien wird sie über mehrere Gene vererbt. Fütterung, Wachstum und Bewegung beeinflussen den Schweregrad. Festgestellt wird sie im Röntgen. Für die Zuchtuntersuchung nach FCI-Schema (Grad A bis E) wird frühestens mit 12 beziehungsweise 15 Monaten geröntgt.
Woran erkenne ich Arthrose beim Hund?
Typisch sind laut MSD Veterinary Manual langsames Aufstehen, vor allem nach längerer Ruhe, und Schwierigkeiten auf Treppen. Dazu kommen Steifheit, Lahmheit, weniger Lust auf Bewegung oder Zögern beim Springen ins Auto. Weil viele Hunde Schmerzen lange verbergen, lohnt ein genauer Blick. Die US-Tierklinikvereinigung AAHA empfiehlt, kurze Handyvideos vom Gang des Hundes mit in die Praxis zu bringen.
Wie Tierärzte Arthrose behandeln
Die internationale COAST-Leitlinie von 2023 empfiehlt einen Ansatz mit mehreren Bausteinen:
- In jedem Stadium: Gewichtsmanagement, regelmäßige, an Alter und Rasse angepasste Bewegung und Anpassungen im Zuhause.
- Gegen Schmerzen: Ab dem zweiten Stadium gelten entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) oder ein Antikörper gegen den Nervenwachstumsfaktor als erste Wahl. Die Behandlung läuft über Wochen, bei fortgeschrittener Arthrose oft lebenslang.
- Physiotherapie: Bewegungs- und Hydrotherapie über zertifizierte Tierphysiotherapeutinnen und -therapeuten.
- Operation: wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.
Für Glucosamin und Chondroitin ist die Studienlage laut Leitlinie schwach. Und ganz wichtig: Schmerzmittel nur nach tierärztlicher Verordnung geben. Menschliche Schmerzmittel sind für Tiere nicht sicher. Treten unter der Behandlung Erbrechen, Durchfall, schwarzer Kot oder Appetitlosigkeit auf, rät die US-Arzneimittelbehörde FDA, das Mittel abzusetzen und sofort die Tierarztpraxis anzurufen.
Gewicht: der wichtigste Hebel im Alltag
Übergewicht belastet die Gelenke und wirkt laut COAST-Leitlinie auch über den Stoffwechsel. Schon eine moderate Gewichtsabnahme hilft: In einer Studie besserte sich die Lahmheit übergewichtiger Hunde mit Arthrose bereits ab etwa 6 Prozent weniger Körpergewicht. In einer Langzeitstudie mit Labradoren zeigten Hunde, die ein Leben lang schlank gehalten wurden, Hüftarthrose im Median erst mit zwölf Jahren, normal gefütterte Hunde schon mit sechs.
Tipps für den Alltag
- Zielgewicht festlegen: gemeinsam mit der Tierarztpraxis, und das Gewicht regelmäßig kontrollieren.
- Regelmäßig bewegen: gleichmäßig und angepasst, Sprünge, abrupte Starts und sehr lange Touren vermeiden.
- Rutschfeste Böden: Läufer, Teppiche oder Yogamatten auf glatten Böden auslegen.
- Rampen und gute Liegeplätze: Rampen für Auto oder Sofa, ein weicher, warmer Liegeplatz.
- Anzeichen dokumentieren: Veränderungen notieren und kurze Videos vom Gang machen.
- Schmerzmittel nur vom Tierarzt: keine Humanpräparate, nie zwei Schmerzmittel kombinieren.
- Alle Ergänzungen nennen: Auch Kräuter, Öle und Futterergänzungen der Tierarztpraxis mitteilen, weil Wechselwirkungen möglich sind.
- Physiotherapie nutzen: nach tierärztlicher Abklärung.
- Welpen großer Rassen langsam wachsen lassen: kein zusätzliches Calcium zu einem vollwertigen Welpenfutter.
- Beim Welpenkauf nach HD-Befunden fragen: besonders bei Risikorassen.
Häufige Fragen
Ist Arthrose beim Hund heilbar?
Nein. Arthrose schreitet fort und ist nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen möglichst gering zu halten und die Lebensqualität zu erhalten.
Wie viel Bewegung ist bei Arthrose richtig?
Regelmäßige, an Alter und Rasse angepasste Bewegung wird für alle Stadien empfohlen. Vermeiden sollten Sie Belastungsspitzen wie Sprünge oder übermäßig lange Touren. Den Plan stimmen Sie am besten mit der Tierarztpraxis ab.
Was bedeutet „Spondylose“ im Röntgenbefund?
Es handelt sich um knöcherne Zubildungen an der Wirbelsäule, die im Alter sehr häufig sind. Sie sind typischerweise ein Zufallsbefund und erklären allein keine Beschwerden.
Bringt Abnehmen wirklich etwas?
Ja. In Studien besserte sich die Lahmheit übergewichtiger Hunde mit Arthrose schon ab etwa 6 Prozent Gewichtsabnahme.
Hat Arthrose beim Hund etwas mit „Übersäuerung“ zu tun?
Dafür gibt es keine neutralen wissenschaftlichen Belege. Die tierärztlichen Leitlinien nennen den Säure-Basen-Haushalt weder als Ursache noch als Behandlungsansatz.
Fazit
Arthrose ist bei Hunden häufig, und sie beginnt oft früher, als Halter es bemerken. Heilbar ist sie nicht, aber gut zu begleiten: mit tierärztlicher Schmerztherapie, einem schlanken Körpergewicht, regelmäßiger, angepasster Bewegung und einem gelenkfreundlichen Zuhause. Ein Röntgenbefund „Spondylose“ ist dagegen meist kein Grund zur Sorge. Was sich bei älteren Hunden sonst verändert, lesen Sie in unserem Beitrag Hund und Katze im Alter.
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Quellen:
- Cachon T. et al. (2023): COAST international consensus guidelines for the treatment of canine osteoarthritis. Frontiers in Veterinary Science
- MSD Veterinary Manual: Osteoarthritis in Dogs and Cats
- MSD Veterinary Manual: Degenerative Diseases of the Spinal Column and Cord in Animals (Spondylose)
- Veterinärmedizinische Universität Wien: Hüftgelenksdysplasie
- GRSK e. V.: Was ist HD?
- Anderson K. L. et al. (2018): Prevalence, duration and risk factors for appendicular osteoarthritis in a UK dog population. Scientific Reports
- Enomoto M. et al. (2024): Prevalence of radiographic appendicular osteoarthritis in young dogs. Scientific Reports
- Marshall W. G. et al. (2010): The effect of weight loss on lameness in obese dogs with osteoarthritis. Veterinary Research Communications
- U.S. Food and Drug Administration: Get the Facts about Pain Relievers for Pets
- Paul-Ehrlich-Institut: Mitteilung vom 01.04.2026 zur Aktualisierung einer Produktinformation (PDF)
Über die Autorin: Ina Amberg
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Als Expertin für Tier- und Umwelthygiene bei AnoKath entwickelt Ina Amberg alltagstaugliche Routinen. |
Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Emily Rusch auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).

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