Darmsanierung beim Pferd nach Antibiotika: Was die Forschung sagt
Wenn Ihr Pferd krank ist, sind Antibiotika oft unumgänglich. Danach stellen sich viele Halterinnen und Halter die Frage: Braucht das Pferd nach Antibiotika eine „Darmsanierung“? Der Begriff ist beliebt, in der Tiermedizin aber kein Fachbegriff. Was tatsächlich passiert, ist gut untersucht: Antibiotika verändern die Darmflora, das sogenannte Mikrobiom im Dickdarm. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Forschung dazu zeigt, auf welche Warnzeichen Sie achten sollten und wie Sie Ihr Pferd in dieser Zeit sinnvoll füttern.
Aktuelles aus der Forschung
Wie sich die Darmflora nach Antibiotika erholt, ist weiterhin ein aktives Forschungsthema. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie des Equine Research Institute in Japan gab 18 gesunden Pferden fünf Tage lang Antibiotika. Bei allen Tieren veränderte sich die Darmflora deutlich. Die Forschenden verglichen danach die natürliche Erholung mit tierärztlichen Verfahren. Probiotika zeigten dabei nur in zusammengefassten Werten einen Effekt, nicht zu einzelnen Zeitpunkten.
Ein zweiter Anlass: Am 18. November ist jedes Jahr der Europäische Antibiotikatag. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC erinnert dann daran, Antibiotika umsichtig einzusetzen, weil Resistenzen zunehmen. Für Pferdehalter heißt das: Antibiotika gibt es nur nach tierärztlicher Verordnung, und Dauer und Dosis legt die Tierarztpraxis fest.
Was Antibiotika im Darm des Pferdes verändern
Pferde verdauen Raufutter mithilfe von Milliarden Mikroorganismen im Blind- und Dickdarm. Besonders wichtig sind faserabbauende Bakterien. Antibiotika wirken nicht nur gegen krankmachende Erreger, sondern auch auf diese Darmbewohner. Mehrere Studien haben das gemessen:
- Deutliche Veränderung: Bei 24 Stuten veränderten drei gängige Antibiotika über fünf Tage die Kotflora deutlich. Am stärksten wirkte Trimethoprim-Sulfadiazin, es senkte auch die Vielfalt der Bakterienarten (Costa et al., 2015).
- Faserabbauer betroffen: In einer französischen Studie nahmen die zellulosespaltenden Bakterien bereits zwei Tage nach der ersten Gabe ab (Collinet et al., 2021).
- Erholung über Tage bis Wochen: Je nach Wirkstoff und Messgröße ähnelte die Flora 2 bis 9 Tage nach Behandlungsende (Collinet) beziehungsweise nach etwa 25 bis 30 Tagen (Costa, Gomez et al. 2023) wieder weitgehend dem Ausgangszustand.
- Teils länger: In einer Studie der Universität Utrecht waren einzelne Bakteriengruppen auch nach sechs Monaten noch verringert, und Resistenzgene im Kot waren erhöht (Theelen et al., 2023).
Wichtig für die Einordnung: Die Studien sind klein und wurden mit gesunden Pferden gemacht. In keiner dieser Mikrobiom-Studien bekam ein Pferd Durchfall. Die Autoren betonen selbst, dass eine messbare Veränderung nicht automatisch eine Erkrankung bedeutet.
Wie häufig sind Durchfall und Darmentzündung nach Antibiotika?
Selten, aber ernst. In drei US-Überweisungskliniken bekamen 32 von 5.251 Pferden, die wegen anderer Erkrankungen Antibiotika erhielten, einen wahrscheinlich antibiotikabedingten Durchfall. Das sind 0,6 Prozent. Von den betroffenen Pferden starben 18,8 Prozent (Barr et al., 2013). Laut MSD Veterinary Manual kann eine Antibiotikagabe mit einer Darmentzündung durch Clostridien in Verbindung stehen. Anzeichen sind Durchfall mit oder ohne Blut, Kolik, Fieber, verminderte Futteraufnahme und Mattigkeit.
Wird der Darm durch Antibiotika „übersäuert“?
Dafür gibt es keinen Beleg. In der Studie, die Kot-pH und Milchsäure nach einer Antibiotikagabe gemessen hat, blieben beide Werte unverändert (Collinet et al., 2021). Eine Übersäuerung des Dickdarms ist dagegen bei zu viel Stärke aus Kraftfutter gut beschrieben. Unverdaute Stärke wird im Dickdarm schnell vergoren, es entsteht Milchsäure, und das kann zu Koliken und Hufrehe beitragen. Genau deshalb ist eine maßvolle, gut verteilte Kraftfuttergabe nach einer Krankheit wichtig.
Probiotika: Was ist belegt?
Probiotika werden nach Antibiotika häufig empfohlen. Die Studienlage beim Pferd ist allerdings dünn. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Veterinary Internal Medicine nennt die Evidenz für einen Einsatz gegen Erkrankungen „weak“, also schwach. Nur 2 von 13 untersuchten Produkten enthielten den angegebenen Keim in der angegebenen Menge (Schoster et al., 2014). Bei Fohlen verhinderte ein Probiotikum in einer kontrollierten Studie keinen Durchfall, und bei Pferden unter Antibiotika hielt es die Veränderung der Darmflora nicht auf. Ob ein Probiotikum im Einzelfall sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.
Tipps für den Alltag
- Täglich beobachten: Kot, Fressverhalten und Allgemeinbefinden während und nach der Behandlung im Blick behalten. Durchfall, der länger als ein bis zwei Tage dauert oder wiederkehrt, ist ein Grund, die Tierarztpraxis anzurufen.
- Kolik ist immer ein Notfall: Auf weniger Appetit, weniger Kot, häufiges Liegen, Blick zum Bauch, Schwitzen, Scharren und Wälzen achten und sofort die Tierärztin oder den Tierarzt rufen.
- Fieber und Mattigkeit melden: Fieber, Fressunlust, Mattigkeit oder blutiger Durchfall während oder nach einer Antibiotikagabe sofort abklären lassen.
- Raufutter als Grundlage: täglich mindestens 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts als Raufutter (Trockenmasse). Rohfaserreiches Futter laut Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums mindestens zwölf Stunden täglich anbieten, Fresspausen möglichst nicht länger als vier Stunden.
- Keine abrupten Futterwechsel: Umstellungen bei Heu, Weide oder Kraftfutter über etwa 10 bis 14 Tage verteilen.
- Kraftfutter knapp halten: größere Mengen auf mindestens drei Rationen am Tag verteilen, damit keine Stärke unverdaut in den Dickdarm gelangt.
- Wasser immer verfügbar: Tränken täglich kontrollieren und sauber halten.
- Hygiene bei Durchfall: Infektiöse Durchfälle können andere Pferde anstecken. Bis zur tierärztlichen Abklärung vorsichtig sein und gute Stallhygiene halten.
- Medikamente nicht eigenmächtig ändern: Dauer und Dosis der Antibiotika legt die Tierarztpraxis fest.
Häufige Fragen
Wie lange braucht die Darmflora des Pferdes nach Antibiotika?
Das hängt vom Wirkstoff ab. In Studien mit gesunden Pferden ähnelte die Flora nach Behandlungsende innerhalb von 2 bis 9 Tagen bis etwa 25 bis 30 Tagen wieder weitgehend dem Ausgangszustand. Einzelne Veränderungen waren in einer Studie nach sechs Monaten noch messbar.
Bekommt jedes Pferd nach Antibiotika Durchfall?
Nein. In drei Kliniken betraf es 0,6 Prozent der Pferde, die Antibiotika bekamen. Wenn es passiert, kann der Verlauf aber schwer sein. Durchfall während oder nach einer Antibiotikagabe gehört deshalb immer in tierärztliche Hände.
Sollte ich meinem Pferd nach Antibiotika Probiotika geben?
Die Evidenz für Probiotika beim Pferd ist schwach, und die Qualität der Produkte schwankt. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Tierarztpraxis.
Was soll mein Pferd nach einer Antibiotikabehandlung fressen?
Wie immer gutes Raufutter als Grundlage, keine abrupten Futterwechsel, wenig und gut verteiltes Kraftfutter und ständig frisches Wasser.
Wann muss die Tierärztin oder der Tierarzt sofort kommen?
Bei jeder Kolik sowie bei starkem, blutigem oder anhaltendem Durchfall, bei Fieber, Fressunlust oder Mattigkeit.
Fazit
Antibiotika verändern die Darmflora des Pferdes deutlich, meist erholt sie sich aber innerhalb von Tagen bis Wochen. Eine „Darmsanierung“ im Sinne eines festen Programms ist wissenschaftlich nicht belegt, ebenso wenig eine Übersäuerung des Darms durch Antibiotika. Was nachweislich zählt: aufmerksam beobachten, bei Warnzeichen sofort die Tierarztpraxis rufen und konsequent pferdegerecht füttern, mit viel Raufutter und ohne abrupte Wechsel.
Passend dazu: AnoKath Gastral
Für die tägliche Fütterung bietet AnoKath mit AnoKath Gastral ein flüssiges Ergänzungsfuttermittel für Hunde und Pferde an, das laut Produktseite Magen und Darm unterstützt. Es wird unter das Futter gemischt, bei Pferden zum Beispiel über ein feuchtes Mash. Ob und wann es nach einer Antibiotikabehandlung passt, besprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis. Kein Tierarzneimittel. Ersetzt keinen Tierarztbesuch.
Quellen:
- Costa M. C. et al. (2015): Changes in the equine fecal microbiota associated with the use of systemic antimicrobial drugs. BMC Veterinary Research
- Collinet A. et al. (2021): Effects of an Antibiotic–Probiotic Combination on the Equine Hindgut Ecosystem. Frontiers in Microbiology
- Gomez D. et al. (2023): Longitudinal effects of oral administration of antimicrobial drugs on fecal microbiota of horses. Journal of Veterinary Internal Medicine
- Theelen M. J. P. et al. (2023): Short- and long-term effects of hospitalisation and trimethoprim-sulfadiazine on the equine faecal microbiome. Microbiome
- Barr B. S. et al. (2013): Antimicrobial-associated diarrhoea in three equine referral practices. Equine Veterinary Journal
- Schoster A. et al. (2014): Probiotic Use in Horses – What is the Evidence for Their Clinical Efficacy? Journal of Veterinary Internal Medicine
- MSD Veterinary Manual: Clostridial Enterocolitis in Horses
- MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses
- BMLEH: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (Stand 2009)
- Universitäres Tierspital Zürich: Kolikuntersuchung
Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Markus Kammermann auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).
Komentáře
Zanechat komentář