Alter Hund, alte Katze: Ab wann Senior und was jetzt wichtig ist
Ihr alter Hund schläft mehr als früher, Ihre Katze springt nicht mehr so selbstverständlich auf die Fensterbank. Solche Veränderungen gehören zum Älterwerden, aber nicht jede davon ist „nur das Alter“. Tierärztliche Leitlinien sagen deutlich: Alter ist keine Krankheit, und hinter vielen Veränderungen stecken Erkrankungen, die sich gut behandeln lassen. Dieser Beitrag erklärt, ab wann Hunde und Katzen als Senioren gelten, welche Veränderungen typisch sind, warum regelmäßige Vorsorge gerade bei scheinbar gesunden Tieren wichtig ist und wie Sie Fütterung und Alltag anpassen.
Aktuell: Viele „gesunde“ Seniorkatzen sind es nicht
Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie der University of Wisconsin-Madison untersuchte 129 Katzen ab zwölf Jahren, die ihre Halter für gesund hielten. Bei allen fanden die Tierärzte Auffälligkeiten, zum Beispiel an den Zähnen. 80 Katzen hatten eine chronische Nierenerkrankung, bei 49 davon war sie bis dahin unbekannt. Von 56 Katzen mit Bluthochdruck waren 54 nicht erkannt. Drei Viertel der Halter nierenkranker Katzen hatten beim Urinieren keine Veränderung bemerkt. Das Fazit der Autoren: Wer wartet, bis er selbst etwas bemerkt, unterschätzt, wie viele ältere Katzen krank sind.
Ab wann ist ein Hund oder eine Katze ein Senior?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Die US-Tierklinikvereinigung AAHA zählt Hunde im letzten Viertel ihrer geschätzten Lebenserwartung zu den Senioren, Katzen ab einem Alter von über zehn Jahren. Die Kleintierklinik der LMU München nennt als Richtwerte:
- Große Hunderassen (zum Beispiel Deutsche Dogge): ab etwa 5 Jahren
- Mittelgroße Rassen (zum Beispiel Labrador): ab etwa 9 Jahren
- Kleine Rassen (zum Beispiel Yorkshire-Terrier): ab etwa 10 Jahren
- Katzen: ab etwa 11 Jahren, manche zeigen schon ab etwa 8 Jahren Alterszeichen
Große Hunde altern schneller. In einer britischen Studie lag die mittlere Lebenserwartung kleiner Rassen bei 12,7 Jahren, mittelgroßer bei 12,5 und großer bei 11,9 Jahren. Kurzköpfige Rassen lebten im Mittel 11,2 Jahre.
Was sich im Alter verändert
Bei älteren Hunden notierten britische Tierärzte am häufigsten Themen rund um das Körpergewicht (35 Prozent), den Bewegungsapparat (33 Prozent) und die Zähne (31 Prozent). Bei Katzen nennen die Leitlinien des Fachverbands AAFP unter anderem:
- Nieren: Chronische Nierenerkrankungen werden mit dem Alter deutlich häufiger. Laut International Cat Care haben 20 bis 50 Prozent der Katzen über 15 Jahre eine Nierenerkrankung in irgendeinem Grad. Vermehrtes Trinken und Urinieren fällt oft erst auf, wenn etwa zwei Drittel der Nierenfunktion verloren sind.
- Schilddrüse: Eine Überfunktion betrifft etwa 10 Prozent der Katzen über zehn Jahre.
- Gelenke: Degenerative Gelenkerkrankungen finden sich bei bis zu 74 Prozent der Katzen ab zwölf Jahren. Katzen zeigen das selten durch Hinken, eher durch weniger Springen.
- Muskeln und Verdauung: Zwischen zehn und 15 Jahren verlieren Katzen bis zu einem Drittel ihrer Muskelmasse. Bei etwa jeder fünften Katze über elf Jahren wird Eiweiß schlechter verdaut.
Vorsorge: Wie oft zum Check-up?
Weil viele Altersveränderungen lange unbemerkt bleiben, empfehlen Leitlinien regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Die Kleintierklinik der LMU München rät mit zunehmendem Alter zu halbjährlichen Untersuchungen. Laut AAHA gehören dazu:
- eine gründliche klinische Untersuchung mit Gewicht und Körperzustand
- Blutbild und Blutwerte sowie eine Urinuntersuchung alle 6 bis 12 Monate
- eine Blutdruckmessung, bei Katzen ausdrücklich empfohlen
- bei Katzen zusätzlich der Schilddrüsenwert
Für Katzen empfiehlt die AAFP diese Basisuntersuchungen mindestens einmal jährlich ab einem Alter von 7 bis 10 Jahren, im hohen Alter häufiger.
Fütterung und Wasser im Alter
Offizielle Nährstoffstandards speziell für Senioren gibt es nicht. Die Leitlinien geben aber Orientierung:
- Energie: Ältere Hunde brauchen meist weniger Energie. Bei Katzen sinkt der Bedarf bis etwa zehn Jahre und steigt danach oft wieder.
- Eiweiß: Gesunde Senioren brauchen nicht pauschal weniger Eiweiß, Katzen eher mehr gut verdauliches Protein, um Muskelabbau zu bremsen. Eine eiweißreduzierte Diät gehört zu bestimmten Erkrankungen wie der Nierenerkrankung und wird tierärztlich festgelegt.
- Gewicht: Schlank bleiben lohnt sich. In einer Langzeitstudie lebten Labradore, die lebenslang 25 Prozent weniger Futter bekamen als ihre Wurfgeschwister, im Mittel länger, und chronische Erkrankungen traten später auf.
- Wasser: Frisches Wasser, mehrere Wasserstellen und Nassfutter oder etwas Wasser im Futter fördern die Flüssigkeitsaufnahme.
Tipps für den Alltag mit älteren Tieren
- Vorsorge planen: ab dem Seniorenalter ein- bis zweimal im Jahr mit Blut, Urin, Blutdruck und Gewicht.
- Nicht auf sichtbare Zeichen warten: Gerade Katzen zeigen Nierenerkrankung oder Bluthochdruck oft lange nicht.
- Regelmäßig wiegen: Ungeklärte Gewichtsabnahme oder Muskelschwund tierärztlich abklären lassen.
- Trinken und Urin beobachten: Deutlich mehr Durst oder Urin ist ein Grund für einen Tierarzttermin.
- Wasser leicht erreichbar machen: mehrere Näpfe, frisches Wasser, bei Katzen gern Nassfutter.
- Futter mit der Tierarztpraxis anpassen: nicht pauschal reduzieren, sondern nach Gewicht, Muskelzustand und Befunden.
- Zuhause seniorengerecht einrichten: Rampen oder Stufen, rutschfeste Unterlagen, Katzentoilette mit niedrigem Einstieg, flache Näpfe.
- Alle Präparate offenlegen: Ergänzungsmittel, Kräuter und Öle der Tierarztpraxis nennen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
- Zähne kontrollieren lassen: Zahnprobleme gehören zu den häufigsten Befunden bei älteren Tieren.
- Grasfressen gelassen sehen: Gelegentliches Grasfressen ist meist normal. Wirkt der Hund dabei krank oder erbricht häufig, zum Tierarzt.
Häufige Fragen
Ab wann ist mein Hund ein Senior?
Das hängt von der Größe ab. Große Rassen gelten laut LMU-Kleintierklinik ab etwa fünf Jahren als Senioren, mittelgroße ab etwa neun und kleine ab etwa zehn Jahren.
Ab wann ist eine Katze alt?
Leitlinien sprechen ab einem Alter von über zehn Jahren von Seniorkatzen, die LMU nennt etwa elf Jahre. Manche Katzen zeigen schon ab etwa acht Jahren Alterszeichen.
Wie oft sollte ein älteres Tier zum Check-up?
Mindestens einmal im Jahr, mit zunehmendem Alter halbjährlich. Dazu gehören Blut- und Urinuntersuchungen sowie eine Blutdruckmessung.
Ist es normal, dass mein Hund Gras frisst?
Meist ja. In einer großen Halterumfrage der University of California, Davis fraßen zwei Drittel der Hunde regelmäßig Pflanzen. Nur 8 Prozent wirkten vorher häufig krank.
Brauchen alte Hunde und Katzen weniger Eiweiß?
Nicht pauschal. Gesunde Senioren, besonders Katzen, brauchen eher mehr gut verdauliches Eiweiß. Eine Eiweißreduktion gehört zu bestimmten Erkrankungen und wird tierärztlich festgelegt.
Übersäuern Hunde und Katzen im Alter?
Dafür gibt es keine neutralen Belege. Gesunde alte Hunde hatten in Studien keinen veränderten Säure-Basen-Haushalt. Eine echte Übersäuerung des Blutes kann bei fortgeschrittener Nierenerkrankung auftreten. Sie wird per Blutuntersuchung festgestellt und tierärztlich behandelt.
Fazit
Ältere Hunde und Katzen brauchen vor allem Aufmerksamkeit: regelmäßige Vorsorge mit Blut, Urin und Blutdruck, ein stabiles Gewicht, angepasstes Futter, leicht erreichbares Wasser und ein Zuhause ohne Hindernisse. Viele Altersveränderungen lassen sich früh erkennen und gut begleiten, wenn man nicht abwartet, bis sie sichtbar werden. Wie Sie Gelenkprobleme erkennen, lesen Sie in unserem Beitrag Arthrose beim Hund.
Passend dazu: Senioren-Vital-Kur von AnoKath
Für ältere Hunde und Katzen bietet AnoKath die Senioren-Vital-Kur (AnoKath Liquid AS) an, ein flüssiges Produkt für die Fütterung, das laut Produktseite das natürliche Säure-Basen-Gleichgewicht unterstützt. Die regelmäßige Vorsorge beim Tierarzt ersetzt es nicht. Anwendung und Dosierung stehen auf dem Etikett. Kein Tierarzneimittel. Ersetzt keinen Tierarztbesuch.
Quellen:
- Kleintierklinik der LMU München: Alters-Check
- American Animal Hospital Association: 2023 AAHA Senior Care Guidelines for Dogs and Cats (PDF)
- Ray M. et al. (2021): 2021 AAFP Feline Senior Care Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery
- Herrera K. et al. (2026): Clinically important abnormalities are common in senior cats perceived to be healthy by owners. JAVMA
- International Cat Care: Chronic kidney disease
- MSD Veterinary Manual: Renal Dysfunction in Dogs and Cats
- McMillan K. M. et al. (2024): Longevity of companion dog breeds. Scientific Reports
- Jackson J. et al. (2025): Using veterinary health records at scale to investigate ageing dogs. Journal of Small Animal Practice
- Kealy R. D. et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. JAVMA
- Hart B. L.: Why do dogs and cats eat grass? dvm360
- Aguilera-Tejero E. et al. (1997): Arterial blood gases and acid-base balance in geriatric dogs. Research in Veterinary Science
Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Reba Spike auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).
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