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Nahaufnahme eines gesunden Pferdeauges, Titelbild zum Ratgeber Mäusekot, Leptospiren und Mondblindheit

Mäusekot und Augenentzündung: Leptospiren, Mondblindheit & Co.

Wer den Schuppen ausfegt, die Sattelkammer reinigt oder den Dachboden aufräumt, stößt schnell auf Spuren von Mäusen. Über ihren Urin und Kot können zwei ganz unterschiedliche Erreger verbreitet werden: Hantaviren, die vor allem Menschen betreffen, und Leptospiren, die auch für Hunde und Pferde ein Thema sind. Beide können die Augen in Mitleidenschaft ziehen, beim Pferd bis hin zur gefürchteten Mondblindheit. Dieser Beitrag erklärt, was hinter Mäusekot und Augenentzündung steckt und wie Sie sich und Ihre Tiere schützen.

Aktuell: Mehr Leptospirose- und Hantavirus-Fälle

Laut dem im April 2026 erschienenen Jahrbuch des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden 2024 in Deutschland 322 Leptospirose-Erkrankungen beim Menschen gemeldet, deutlich mehr als in den Vorjahren. Im selben Jahr gab es 423 Hantavirus-Erkrankungen, 26 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Übrigens: Der viel beachtete Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Frühjahr 2026 ging laut RKI auf das südamerikanische Andesvirus zurück. Die heimischen Hantaviren werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Zwei Erreger, eine Quelle

Hantaviren und Leptospiren haben nur eines gemeinsam: Sie stammen aus Ausscheidungen von Nagetieren. Ansonsten sind sie grundverschieden.

  • Hantaviren sind Viren. In Deutschland ist vor allem das Puumalavirus verbreitet, sein Reservoir ist die Rötelmaus. Menschen stecken sich meist an, wenn sie aufgewirbelten Staub mit Viren einatmen, zum Beispiel beim Fegen.
  • Leptospiren sind Bakterien, sogenannte Spiralbakterien. Mäuse, Ratten und andere Tiere scheiden sie mit dem Urin aus, oft ohne selbst krank zu sein. Mensch und Tier infizieren sich über verunreinigtes Wasser, Schlamm oder feuchten Boden, über kleine Hautverletzungen und über die Schleimhäute von Auge, Nase und Mund.

Leptospiren können laut RKI in der Umwelt Wochen bis Monate ansteckend bleiben. Wärme und Feuchtigkeit begünstigen sie, gegen direkte Sonne sind sie empfindlich. In Deutschland häufen sich Leptospirose-Fälle im Sommer und Frühherbst.

Wie Leptospiren Hund und Pferd betreffen

Beim Hund sind Pfützen und stehende Gewässer die wichtigste Ansteckungsquelle. Laut Ständiger Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) kann sich ein Hund infizieren, wenn er in verunreinigtem Wasser badet oder aus Pfützen trinkt, besonders im Spätsommer und Herbst und nach viel Regen. Häufige Anzeichen sind Fieber, Mattigkeit, Erbrechen und Durchfall, oft mit Beteiligung von Nieren und Leber. Auch die Augen können betroffen sein. Wichtig: Die Leptospirose-Impfung gilt beim Hund als Core-Impfung, also als Standardimpfung, und wird jährlich aufgefrischt.

Beim Pferd erfolgt die Ansteckung laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit meist über den Urin infizierter Nagetiere, etwa über verunreinigtes Futter, Wasser, Einstreu oder den Boden. Gehäuft tritt sie in der Weidezeit auf, bei feuchter Witterung und in sumpfigen Gebieten. Einen zugelassenen Leptospirose-Impfstoff für Pferde gibt es in Deutschland nicht.

Mondblindheit: Wenn Leptospiren ins Pferdeauge gelangen

Die equine rezidivierende Uveitis (ERU), auch periodische Augenentzündung oder Mondblindheit genannt, ist eine immer wiederkehrende Entzündung im Inneren des Pferdeauges. Laut der Pferdeklinik der LMU München wird sie „in über 95 %“ durch eine Leptospireninfektion im Auge ausgelöst. Andere Fachquellen, etwa das MSD Veterinary Manual, beschreiben die ERU als immunvermittelte Erkrankung, bei der Leptospiren eine Rolle spielen. Die genaue Ursache wird in der Fachwelt weiter diskutiert.

Die Schübe im vorderen Augenabschnitt sind sehr schmerzhaft und werden meist häufiger und heftiger. Die hintere Form verläuft dagegen fast schmerzfrei und wird oft erst spät bemerkt. Ohne Behandlung erblinden laut LMU fast alle betroffenen Augen im weiteren Verlauf. Akute Schübe werden medikamentös behandelt. Bei nachgewiesenen Leptospiren im Auge kann eine Glaskörperoperation (Vitrektomie) in Frage kommen. Nach Angaben der LMU bleiben danach in über 95 Prozent der Fälle weitere Entzündungsschübe aus. Ob der Eingriff sinnvoll ist, entscheidet die Tierklinik.

Diese Anzeichen sollten Sie rasch tierärztlich abklären lassen: Tränenfluss, zusammengekniffene Lider, Lichtempfindlichkeit, eine milchige oder bläuliche Trübung der Hornhaut und gerötete Bindehäute.

Hantavirus und die Augen

Auch beim Menschen kann eine Infektion mit Nagetier-Erregern die Augen betreffen. Bei der in Deutschland häufigen Puumalavirus-Erkrankung beschreibt das RKI neben Fieber, Flankenschmerzen und Kopfschmerzen „oft Sehstörungen“ wie plötzliche Kurzsichtigkeit und Lichtscheu sowie Einblutungen in die Bindehaut. Laut einer Übersichtsarbeit tritt die vorübergehende Kurzsichtigkeit bei 41 bis 78 Prozent der Erkrankten auf. Die gute Nachricht: Diese Befunde bilden sich mit der Genesung zurück.

Tipps für den Alltag

  1. Mäusekot nie trocken fegen oder saugen: Vorher mindestens 30 Minuten lüften, Einmalhandschuhe und in Innenräumen eine FFP2- oder FFP3-Maske tragen.
  2. Anfeuchten statt aufwirbeln: Kot und tote Tiere mit Wasser besprühen, Kadaver in einer verschlossenen Tüte in den Hausmüll geben und die Flächen danach laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gründlich mit einem Haushaltsreiniger reinigen. Anschließend duschen.
  3. Futter nagersicher lagern: Lebensmittel und Tierfutter fest verschlossen aufbewahren, Abfall in verschließbare Tonnen geben und Nistmöglichkeiten beseitigen.
  4. Pfützen meiden: Hunde möglichst nicht aus Pfützen trinken oder in stehenden Gewässern baden lassen, vor allem im Spätsommer und Herbst.
  5. Impfschutz beim Hund: die Leptospirose-Impfung jährlich auffrischen lassen.
  6. Pferdeaugen regelmäßig ansehen: Veränderungen rasch tierärztlich abklären lassen.
  7. Wunden abdecken: bei Arbeiten mit möglicherweise verunreinigtem Wasser oder Schlamm Handschuhe tragen und Wunden wasserdicht abdecken.
  8. Hände waschen: nach dem Aufenthalt in Keller, Schuppen oder Stall.

Häufige Fragen

Warum ist Mäuseurin für Hund und Pferd ein Thema?

Mäuse und Ratten scheiden Leptospiren mit dem Urin aus. Hunde stecken sich vor allem über verunreinigte Pfützen und Gewässer an, Pferde auf der Koppel oder im Stall über Futter, Wasser, Einstreu und kleine Verletzungen.

Kann das Hantavirus die Augen betreffen?

Ja. Bei der in Deutschland häufigen Puumala-Infektion sind vorübergehende Sehstörungen wie plötzliche Kurzsichtigkeit und Lichtscheu sowie Einblutungen in die Bindehaut beschrieben. Sie bilden sich mit der Genesung zurück.

Was ist Mondblindheit?

Mondblindheit (ERU) ist eine wiederkehrende innere Augenentzündung beim Pferd, die ohne Behandlung meist zur Erblindung führt. Die LMU-Pferdeklinik sieht in über 95 Prozent der Fälle eine Leptospireninfektion als Auslöser, andere Fachleute beschreiben eine immunvermittelte Erkrankung.

Gibt es eine Impfung gegen Leptospirose?

Für Hunde ja, sie ist laut StIKo Vet eine Standardimpfung mit jährlicher Auffrischung. Für Pferde ist in Deutschland kein Impfstoff zugelassen. Für Menschen gibt es hierzulande weder gegen Leptospirose noch gegen Hantaviren eine Impfung.

Kann mein Hund mich mit Leptospirose anstecken?

Das ist möglich, aber selten. Ungeimpfte Hunde können die Erreger auch ohne Symptome mit dem Urin ausscheiden. Die meisten Fälle beim Menschen gehen laut RKI auf Wasserkontakt in der Freizeit oder im Beruf zurück.

Fazit

Mäusekot und Mäuseurin sind kein Grund zur Panik, aber auch nichts, was man unterschätzen sollte. Für Menschen steht beim Aufräumen der Schutz vor Staub im Mittelpunkt, für Hunde die Impfung und das Meiden von Pfützen, für Pferde nagersicheres Futter und ein aufmerksamer Blick auf die Augen. Wie Sie beim Reinigen konkret vorgehen, lesen Sie in unseren Beiträgen zum Hantavirus und zur Frage Hilft Alkohol gegen Hantaviren?


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Quellen:

Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Alexander Naglestad auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).

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