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Berner Sennenhund knabbert auf einer Wiese an Grashalmen, Titelbild zum Ratgeber Hund frisst Gras

Hund frisst Gras: Warum das meist normal ist und wann nicht

Beim Spaziergang bleibt Ihr Hund stehen, rupft ein paar Halme ab und kaut in aller Ruhe. Viele Halter fragen sich dann: Mein Hund frisst Gras, ist ihm übel oder fehlt ihm etwas? Die Forschung gibt eine beruhigende Antwort. In großen Umfragen der University of California in Davis fraßen die meisten Hunde regelmäßig Pflanzen, wirkten vorher gesund und erbrachen danach nicht. Grasfressen gilt deshalb als normales Verhalten. Dieser Beitrag erklärt, was über das Grasfressen bekannt ist, worauf Sie draußen achten sollten und wann ein Besuch in der Tierarztpraxis sinnvoll ist.

Wie häufig fressen Hunde Gras?

Sehr häufig. In einer Umfrage unter Hundehaltern an einer Tierklinik der UC Davis hatten 79 Prozent schon einmal beobachtet, dass ihr Hund Gras oder andere Pflanzen frisst. In einer zweiten, großen Online-Umfrage mit 1.571 auswertbaren Antworten fraßen 68 Prozent der Hunde täglich oder wöchentlich Pflanzen. Gras stand dabei an erster Stelle. Jüngere Hunde taten es häufiger als ältere.

Auch die wilden Verwandten des Hundes fressen Pflanzen. Bei Wölfen und Pumas fand sich Pflanzenmaterial in 2 bis 74 Prozent der untersuchten Kot- und Mageninhaltsproben. Der Studienautor Benjamin Hart hält das Grasfressen deshalb für ein Verhalten, das Hunde von ihren Vorfahren geerbt haben.

Frisst mein Hund Gras, weil ihm übel ist?

Meist nicht. Weniger als jeder zehnte Hund wirkte in der großen Umfrage vor dem Grasfressen häufig krank. Regelmäßig erbrachen danach 22 Prozent, die Mehrheit also nicht. Hart fasst zusammen, das Erbrechen sei eher eine zufällige Begleiterscheinung als eine Folge des Grasfressens.

Ganz ausschließen lässt sich ein Zusammenhang nicht: Hunde, die vorher krank wirkten, erbrachen danach häufiger. Ein leichtes Unwohlsein kann also gelegentlich mitspielen. Eine Studie aus Australien spricht aber gegen die verbreitete Annahme, Hunde würden Gras als „Brechmittel“ nutzen. Bei 374 beobachteten Grasfress-Ereignissen kam es nur zweimal zu Erbrechen. Und als die Hunde durch einen Futterzusatz weichen, wässrigen Kot hatten, fraßen sie sogar weniger Gras als sonst.

Fehlt meinem Hund etwas im Futter?

Dafür gibt es wenig Hinweise. In den Umfragen der UC Davis fraßen Hunde, die vor allem Tischreste oder Rohfutter bekamen, nicht häufiger Gras als Hunde mit einem ausgewogenen Fertigfutter. Auch Hunde mit weniger Ballaststoffen im Futter fraßen nicht mehr Pflanzen.

Es gibt allerdings Einzelfälle: Ein tierärztlicher Fallbericht beschreibt einen älteren Pudel, der sieben Jahre lang täglich Pflanzen fraß und danach erbrach. Nach der Umstellung auf ein ballaststoffreiches Futter hörte das Verhalten nach wenigen Tagen auf. Ein Einzelfall ist kein Beweis, zeigt aber: Wenn ein Hund auffällig viel frisst und regelmäßig erbricht, lohnt ein Gespräch über die Fütterung.

Wofür das Grasfressen biologisch gut ist, weiß niemand sicher. Hart vermutet, dass es den Wildvorfahren half, Darmwürmer auszuscheiden, betont aber, dass dazu mehr Forschung nötig ist.

Welche Risiken gibt es draußen?

Wichtig ist vor allem, wo Ihr Hund frisst:

  • Behandelte Flächen: Hart rät, grasfressende Hunde von chemisch behandelten Rasenflächen fernzuhalten.
  • Giftpflanzen: Manche Garten- und Zimmerpflanzen sind für Hunde giftig. Die Datenbank CliniTox der Universität Zürich listet Giftpflanzen für Hund und Katze.
  • Grannen: Grassamen können in den Körper eindringen und dort wandern, die Beschwerden hängen von der Stelle ab. In einer Auswertung von über 4,5 Millionen Konsultationen in britischen Tierarztpraxen fielen 90,6 Prozent der Grannen-Fälle in die Monate Juni bis September. Spaniel waren rund 7,7-mal häufiger betroffen als Retriever.

Wann sollte ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

Wirkt Ihr Hund schon vor dem Grasfressen krank oder erbricht er immer wieder, ist laut Hart eine Untersuchung angebracht. Das MSD Veterinary Manual nennt für Erbrechen klare Gründe für eine genauere Abklärung: wenn es länger anhält, öfter als ein- bis zweimal am Tag auftritt oder wenn Blut, Bauchschmerzen, Teilnahmslosigkeit, Austrocknung, Schwäche, Fieber oder Gewichtsverlust dazukommen. Erbrechen kann viele Ursachen haben, von Magen-Darm-Erkrankungen über Nieren- oder Leberversagen bis zu Giften.

Frisst ein Hund nicht nur Gras, sondern auch Erde, Steine, Stoff oder Plastik, sprechen Fachleute von Pica. Laut dem Verhaltensdienst der UC Davis kann dahinter eine medizinische Ursache stecken, zum Beispiel ein Nährstoffmangel, aber auch Langeweile, Angst oder ein zwanghaftes Verhalten. Pica kann zu Vergiftungen, Zahnschäden oder einem Darmverschluss führen und gehört deshalb in die Tierarztpraxis. Das MSD Veterinary Manual weist allerdings darauf hin, dass ungewöhnliches Fressverhalten auch einfach aus Neugier und Erkundungsdrang entstehen kann.

Tipps für den Alltag

  1. Gelassen bleiben: Gelegentliches Grasfressen ist bei gesunden Hunden normal und kein Grund zur Sorge.
  2. Beobachten statt deuten: Notieren Sie, wie oft und wie viel Ihr Hund frisst, ob er vorher unruhig oder matt wirkt und ob er danach erbricht.
  3. Behandelte Flächen meiden: Lassen Sie Ihren Hund nicht auf frisch gedüngten oder gespritzten Rasenflächen grasen.
  4. Giftpflanzen kennen: Prüfen Sie Garten, Balkon und Zimmerpflanzen, zum Beispiel in der Datenbank CliniTox.
  5. Im Sommer auf Grannen achten: Von Juni bis September nach dem Spaziergang Fell und Pfoten durchsehen.
  6. Vollwertig füttern: Ein ausgewogenes Futter passend zu Alter und Größe deckt den Bedarf. Bei Fragen zur Ration hilft die Tierarztpraxis.
  7. Für Beschäftigung sorgen: Bewegung, Kauspielzeug und gemeinsame Aufgaben helfen, Langeweile zu vermeiden.
  8. Erbrechen ernst nehmen, wenn es sich häuft: Mehr als ein- bis zweimal am Tag, Blut oder Schwäche sind ein Grund für die Tierarztpraxis.
  9. Fremdes Fressen abklären lassen: Frisst Ihr Hund auch Erde, Steine oder Stoff, sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.

Häufige Fragen

Ist es normal, dass mein Hund jeden Tag Gras frisst?

Für viele Hunde ja. In der großen Umfrage der UC Davis fraßen 68 Prozent der Hunde täglich oder wöchentlich Pflanzen. Solange Ihr Hund munter ist und nicht regelmäßig erbricht, ist das in der Regel kein Grund zur Sorge.

Warum erbricht mein Hund nach dem Grasfressen?

Das kommt vor, betrifft aber nur einen Teil der Hunde. In der Umfrage erbrachen 22 Prozent regelmäßig danach. Häufiges oder anhaltendes Erbrechen sollten Sie tierärztlich abklären lassen.

Soll ich meinem Hund das Grasfressen verbieten?

Nicht grundsätzlich. Wichtiger ist, wo er frisst: keine behandelten Flächen, keine Giftpflanzen und im Sommer ein Blick auf Grannen im Fell.

Frisst mein Hund Gras wegen einer Übersäuerung?

Gelegentliches Grasfressen ist bei gesunden Hunden meist normal. Frisst Ihr Hund dagegen ständig Gras, schmatzt leer oder erbricht morgens gelben Schaum, kann ein säureempfindlicher, gereizter Magen dahinterstecken, und viele Halter denken dann an eine Übersäuerung. AnoKath Gastral ist für die diätetische Begleitung bei fütterungsbedingtem Sodbrennen und die Pflege der Magenschleimhaut gedacht, AnoKath Liquid unterstützt den Säure-Basen-Haushalt, beide gibt man über das Futter. Welche Anzeichen typisch sind und wie Sie Ihren Hund unterstützen, lesen Sie in unserem Ratgeber Übersäuerung beim Hund.

Fehlen meinem Hund Ballaststoffe, wenn er Gras frisst?

In den großen Umfragen fand sich kein Zusammenhang mit dem Ballaststoffgehalt des Futters. Bei einem einzelnen Hund mit ständigem Grasfressen und Erbrechen half in einem Fallbericht eine Futterumstellung. Das besprechen Sie am besten mit der Tierarztpraxis.

Fazit

Grasfressen ist bei Hunden weit verbreitet und in den meisten Fällen normales Verhalten, das sie vermutlich von ihren wilden Vorfahren geerbt haben. Die meisten Hunde wirken vorher gesund und erbrechen danach nicht. Achten Sie darauf, wo Ihr Hund frisst, und lassen Sie häufiges Erbrechen, Schwäche oder das Fressen fremder Dinge tierärztlich abklären. Worauf Sie bei älteren Hunden sonst achten sollten, lesen Sie in unserem Beitrag Alter Hund, alte Katze.


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Quellen:

Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Siarhei Valchok auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).

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