Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Richtig lüften in der Heizperiode
Die Heizung läuft wieder, und mit ihr kommen trockene Augen oder beschlagene Fenster am Morgen. Beides hat mit der Luftfeuchtigkeit in der Wohnung zu tun. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt für die Raumluft eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Zu trockene Luft ist unangenehm, zu feuchte Luft begünstigt Schimmel. Dieser Beitrag erklärt, warum die Luft im Winter trocken wird, wie Sie richtig lüften und heizen, wann ein Luftbefeuchter sinnvoll ist und was mit Haustieren gilt.
Aktuell: Stiftung Warentest prüft Luftbefeuchter
Im Oktoberheft 2025 hat die Stiftung Warentest acht Luftbefeuchter getestet: fünf Verdunster und drei Ultraschall-Vernebler. Die Tester warnen: „Einige Modelle im Test können Bakterien an die Raumluft abgeben.“ Ohne Pflege können sich im Gerät Bakterien vermehren oder Schimmelpilze bilden. Als optimal nennt die Stiftung Warentest 40 bis 60 Prozent Luftfeuchte. Liegt sie längere Zeit deutlich unter 30 Prozent, klagen viele Menschen über raue Haut, trockene Schleimhäute und juckende Augen. Für den Winter heißt das: zuerst messen und richtig lüften, ein Gerät nur bei Bedarf.
Warum ist die Luft im Winter so trocken?
Kalte Luft kann nur wenig Wasser aufnehmen. Das UBA rechnet in seinem Schimmelleitfaden vor: Hat die Außenluft bei minus 10 Grad 80 Prozent relative Feuchte und wird sie in der Wohnung auf 20 Grad erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte auf nur noch 9 Prozent. In der Praxis wird es selten so trocken, weil Baustoffe und Möbel Feuchtigkeit speichern und wieder abgeben. Werte unter 20 Prozent über längere Zeit sind laut UBA in Deutschland die Ausnahme.
Gleichzeitig entsteht im Alltag viel Feuchtigkeit. In einem Drei-Personen-Haushalt kommen laut UBA etwa 6 bis 12 Liter Wasser pro Tag zusammen:
- Menschen: 30 bis 40 Gramm Wasserdampf pro Stunde bei leichter Tätigkeit.
- Wäsche: Geschleuderte Wäsche gibt beim Trocknen 50 bis 200 Gramm pro Stunde ab.
- Aquarien: Ein offenes Aquarium verdunstet etwa 40 Gramm pro Quadratmeter Wasserfläche und Stunde, abgedeckt nur etwa 2 Gramm.
Welche Luftfeuchtigkeit ist richtig?
Für die Raumluft nennt das UBA 40 bis 60 Prozent. In nicht oder schlecht gedämmten Wohnungen sollte die Luftfeuchtigkeit im Winter laut UBA im Normalfall unter 50 Prozent liegen. Der Grund sind kalte Außenwände, an denen die Feuchte höher ist als in der Raumluft. Für Schimmelwachstum genügen laut UBA 70 bis 80 Prozent Feuchte an der Materialoberfläche, wenn sie über längere Zeit einwirkt. Die Wand muss dafür nicht sichtbar nass sein.
Sehr trockene Luft ist ebenfalls nicht ideal. Sie begünstigt laut UBA, dass virushaltige Aerosolpartikel kleiner werden und länger in der Raumluft schweben. Ein einfaches Hygrometer zeigt, wo Sie stehen, und hilft, Lüften und Heizen gezielt anzupassen.
Wie lüfte ich im Winter richtig?
Das UBA empfiehlt Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster:
- Zwei- bis dreimal täglich: in der kalten Jahreszeit etwa fünf Minuten pro Raum mit weit geöffnetem Fenster.
- Querlüften: Fenster an gegenüberliegenden Seiten gleichzeitig öffnen. Dann ist der Luftwechsel laut UBA wesentlich größer.
- Nach Schlaf, Kochen und Duschen: das Schlafzimmer morgens 5 bis 10 Minuten, Küche und Bad 5 bis 10 Minuten während und direkt nach dem Kochen oder Duschen.
- Kipplüften vermeiden: Dauerhaft gekippte Fenster erhöhen laut UBA Energieverbrauch und Heizkosten drastisch. Die Wand am Fenster kann auskühlen, Kondenswasser fördert dann Schimmel.
Auch das Heizen gehört dazu. Das UBA empfiehlt im Wohnbereich möglichst nicht mehr als 20 Grad, in der Küche 18 und im Schlafzimmer 17 Grad. Schlafräume sollten möglichst nicht unter 16 Grad auskühlen. Lüften Sie bei abgedrehter Heizung und halten Sie Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen.
Luftbefeuchter: nur bei Bedarf und mit Hygiene
Bleibt die Luft laut Hygrometer über längere Zeit sehr trocken, kann ein Luftbefeuchter helfen. Das UBA rät dann, mit einem Hygrometer zu kontrollieren, dass die Luftfeuchte nicht zu hoch steigt, weil sonst die Gefahr für Schimmel zunimmt. Außerdem sollen Luftbefeuchter regelmäßig gereinigt werden.
Verdunster blasen Luft durch ein feuchtes Filtermaterial, Ultraschall-Vernebler erzeugen einen feinen Tröpfchennebel. Laut US-Umweltbehörde EPA können Ultraschallgeräte Mikroorganismen und Mineralien aus dem Tank in die Raumluft verteilen, Mineralien zeigen sich als weißer Staub. Die EPA empfiehlt deshalb:
- den Tank täglich leeren, trocken wischen und frisch befüllen,
- das Gerät alle drei Tage gründlich reinigen,
- destilliertes Wasser statt Leitungswasser verwenden,
- beim Befeuchten nicht über 50 Prozent relative Luftfeuchte gehen.
Duftöle und ätherische Öle gehören nicht ins Wasser. Nach einer Reinigung mit Reinigungsmittel den Tank laut EPA mehrmals mit Wasser ausspülen.
Raumklima mit Hund, Katze und Vogel
- Keine Duftöle im Vernebler: Laut MSD Veterinary Manual geben Ultraschallgeräte mit ätherischen Ölen feinste Öltröpfchen ab, die sich auf Fell oder Federn setzen und beim Putzen aufgenommen werden. Katzen haben zu wenig von dem Enzym Glucuronyltransferase und sind deshalb besonders gefährdet. Vögel reagieren besonders empfindlich auf Duftstoffe und Aerosole.
- Kippfenster sind eine Katzenfalle: Katzen können im Spalt stecken bleiben und sich schwer verletzen. Die Tierklinik Ismaning rät, Fenster zu schließen, sobald niemand im Raum ist. Stoßlüften unter Aufsicht passt daher gut.
- Aquarien abdecken: Das senkt die Verdunstung deutlich und hilft, wenn die Luftfeuchte ohnehin hoch ist.
Tipps für den Alltag
- Hygrometer aufstellen: Luftfeuchte in Wohn- und Schlafräumen regelmäßig ablesen. Ziel sind 40 bis 60 Prozent, in schlecht gedämmten Räumen im Winter unter 50 Prozent.
- Stoßlüften: zwei- bis dreimal täglich etwa fünf Minuten, am besten quer, dazu nach dem Duschen und Kochen.
- Heizung beim Lüften abdrehen: und danach wieder auf die gewohnte Temperatur stellen.
- Gleichmäßig heizen: Wohnbereich bis 20 Grad, Schlafzimmer nicht unter 16 Grad.
- Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen: sonst danach gezielt lüften.
- Heizkörper frei halten: nicht mit Möbeln oder Vorhängen zustellen. Ecken hinter großen Möbeln im Blick behalten, dort bildet sich laut UBA häufig Schimmel.
- Befeuchter nur bei Bedarf: Tank täglich leeren und frisch füllen, regelmäßig reinigen, keine Duftöle ins Wasser.
- Duftöle im Tierhaushalt meiden: besonders bei Katzen und Vögeln.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung ideal?
Das UBA empfiehlt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. In nicht oder schlecht gedämmten Wohnungen sollte sie im Winter im Normalfall unter 50 Prozent liegen.
Ist Kipplüften im Winter sinnvoll?
Nein. Das bloße Ankippen ist laut UBA nur wenig wirksam. Die Wand am Fenster kann rasch auskühlen, Kondenswasser fördert dann Schimmel, und die Heizkosten steigen deutlich.
Brauche ich einen Luftbefeuchter?
Meist nicht. Längere Phasen unter 20 Prozent sind laut UBA in Deutschland die Ausnahme. Zeigt das Hygrometer dauerhaft sehr niedrige Werte, kann ein Gerät sinnvoll sein, mit täglicher Pflege.
Sind Luftbefeuchter für Haustiere geeignet?
Entscheidend sind Pflege und der Verzicht auf Duftöle. Ätherische Öle im Vernebler können laut MSD Veterinary Manual für Katzen und Vögel gefährlich werden. Stellen Sie das Gerät standsicher auf.
Fazit
Ein gutes Raumklima in der Heizperiode braucht vor allem Gewohnheiten: messen, mehrmals täglich stoßlüften und gleichmäßig heizen. Die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen, in schlecht gedämmten Räumen im Winter eher darunter. Ein Luftbefeuchter ist nur bei gemessen trockener Luft sinnvoll und nur so gut wie seine Pflege. Wie Sie Feuchtigkeit und muffigen Geruch in einem Fahrzeug in den Griff bekommen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Wohnmobil-Hygiene.
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Quellen:
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig?
- Umweltbundesamt: Richtiges Heizen schützt das Klima und den Geldbeutel
- Umweltbundesamt: Richtig Heizen, Schimmelbildung vermeiden
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (PDF)
- Umweltbundesamt: Infektiöse Aerosole in Innenräumen
- Stiftung Warentest: Luftbefeuchter im Test (10/2025)
- U.S. Environmental Protection Agency: Use and Care of Home Humidifiers
- MSD Veterinary Manual: Toxicoses From Essential Oils in Animals
- Tierklinik Ismaning: Kippfenster-Syndrom – Vorsicht, Katzenfalle!
Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: he gong auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).
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