Tränke im Winter: So bleibt Wasser für Pferd, Rind und Hund eisfrei
Wenn die Temperaturen unter null fallen, wird eine Selbstverständlichkeit zur täglichen Aufgabe: Ihre Tiere brauchen auch dann jederzeit Wasser. Eine eingefrorene Tränke im Winter ist deshalb mehr als ein Ärgernis. Pferde und Rinder fressen jetzt vor allem Heu und müssen mehr trinken als auf der Sommerweide. Gleichzeitig nehmen viele Tiere weniger auf, wenn das Wasser eiskalt ist. Dieser Beitrag erklärt, wie viel Wasser Pferde, Weidetiere und Hunde brauchen, warum Schnee keinen Ersatz bietet und wie Sie Tränken zuverlässig eisfrei halten.
Aktuell: Auch ein milder Winter bringt Frost
Der Winter 2025/26 war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) mit 1,8 °C im Mittel 1,6 Grad wärmer als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Trotzdem gab es harte Phasen: An Weihnachten herrschte verbreitet Dauerfrost, in den ersten zehn Januartagen drang der Frost vor allem im Süden und Osten häufig mehr als 20 Zentimeter tief in den Boden ein. Am 6. Januar maß der DWD in Oberstdorf −21,7 °C. In Teilen Norddeutschlands war es, gemessen an den Tagen mit Schneedecke, der schneereichste Winter seit 2010 beziehungsweise 2012.
Ein Merkblatt des Kreises Wesel vom 19. November 2025 fasst die Pflicht zusammen: Rinder müssen auch im Winter ständig Zugang zu Tränkwasser haben, die Tränken sind frostsicher zu gestalten. Als „kalte Jahreszeit“ gilt dort der 15. November bis 15. März.
Wie viel trinken Pferde, Rinder und Hunde im Winter?
Im Winter ändert sich vor allem das Futter. Heu und Getreide enthalten laut University of Minnesota weniger als 15 Prozent Feuchtigkeit, Weidegras dagegen 60 bis 80 Prozent. Das fehlende Wasser müssen die Tiere über die Tränke aufnehmen.
- Pferde: Je Kilogramm aufgenommener Futtertrockenmasse brauchen Pferde laut einem Leitfaden des Landes Niedersachsen 3 bis 3,5 Liter Wasser. Ein 500 Kilogramm schweres Pferd, das 10 Kilogramm Trockenmasse frisst, braucht danach 30 bis 35 Liter am Tag.
- Rinder: Ein erwachsenes Rind braucht laut Merkblatt des Kreises Wesel durchschnittlich 50 Liter pro Tag.
- Hunde: Die meisten Säugetiere brauchen laut MSD Veterinary Manual in gemäßigter Umgebung täglich etwa 44 bis 66 Milliliter je Kilogramm Körpergewicht. Hunde mit Trockenfutter trinken mehr als Hunde, die vor allem Nassfutter fressen.
Wer bei Kälte zu wenig trinkt, frisst oft auch weniger, und bei Pferden steigt das Risiko einer Verstopfungskolik. Das MSD Veterinary Manual zählt zu wenig Wasser zu den begünstigenden Faktoren. Laut University of Minnesota entsteht eine solche Verstopfung über mehrere Tage bis Wochen mit zu geringer Wasseraufnahme. Bei Anzeichen einer Kolik gehört Ihr Pferd sofort in tierärztliche Hand.
Ist Schnee ein Ersatz für die Tränke?
Nein. Die Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Pferdehaltung sagen klar: „Schnee ist kein Ersatz für eine ausreichende Tränke.“ Dasselbe steht im Merkblatt des Kreises Wesel für Rinder. Die University of Minnesota nennt als Risiken unter anderem Kolik und eine geringere Futteraufnahme.
Auch für Hunde ist Schnee keine gute Wasserquelle. Die Tierklinik Hofheim beschreibt die sogenannte Schneegastritis: Schnee kann Salz, Streugut, Schmutz und Frostschutzmittel enthalten, die Kälte reizt zusätzlich die Magenschleimhaut. Mögliche Folgen sind Erbrechen und Durchfall. Bei Beschwerden rät die Klinik zu Schonkost in kleinen Portionen und zimmerwarmem Wasser, bei anhaltenden Symptomen zum Tierarztbesuch.
Welche Wassertemperatur ist richtig?
Eiskaltes Wasser trinken viele Tiere ungern. In einem von der University of Minnesota beschriebenen Versuch tranken Ponys bei Kälte rund 40 Prozent mehr pro Tag, wenn ihr Wasser über dem Gefrierpunkt lag. Die Universität empfiehlt für Pferde eine Wassertemperatur zwischen 45 und 65 Grad Fahrenheit, das sind etwa 7 bis 18 °C.
Für Milchkühe nennt das Umweltbundesamt (UBA) eine ideale Wassertemperatur von 5 bis 10 °C. Extrem kaltes Wasser kann laut UBA vor allem Jungtiere schwächen und damit Erkrankungen begünstigen.
Was gilt für Halterinnen und Halter?
Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verlangt, dass Nutztiere täglich ihrem Bedarf entsprechend mit Futter und Wasser in ausreichender Menge und Qualität versorgt werden. Versorgungseinrichtungen sind mindestens einmal täglich auf ihre Funktion zu prüfen. Für Pferde fordern die Leitlinien des Ministeriums, dass Wasser ständig zur Verfügung steht. Ist das ausnahmsweise nicht möglich, muss es mindestens dreimal täglich bis zur Sättigung angeboten werden, ausdrücklich auch in der kalten Jahreszeit. Für Hunde schreibt die Tierschutz-Hundeverordnung vor, dass im gewöhnlichen Aufenthaltsbereich jederzeit Wasser in ausreichender Menge und Qualität bereitsteht.
Laut niedersächsischem Leitfaden sind beheizbare Selbsttränken oder Tränken mit frostsicher angeordneten Ventilen ganzjährig nutzbar. Ballschwimmertränken arbeiten bei mäßigem Frost auch ohne Heizung, müssen aber regelmäßig gereinigt werden. Bei elektrischen Tankheizern rät die University of Minnesota, Kabel auf Schäden zu prüfen und darauf zu achten, ob Tiere am Wasser Stromschläge bekommen.
Tipps für den Alltag
- Täglich kontrollieren, bei Frost öfter: Prüfen Sie morgens und abends, ob Wasser fließt und keine Eisschicht die Tränke verschließt.
- Eis entfernen: Eis aus Trögen und Eimern herausnehmen und frisches Wasser nachfüllen.
- Frostschutz vor dem Winter prüfen: Heizungen, Ventile und Leitungen rechtzeitig testen, bevor der erste Frost kommt.
- Heizungen sicher betreiben: Kabel und Heizelemente regelmäßig auf Schäden ansehen und Tiere beobachten, ob sie die Tränke meiden.
- Nicht eiskalt anbieten: Wo keine beheizte Tränke vorhanden ist, mehrmals täglich frisches, nicht eiskaltes Wasser bringen.
- Bei Ausfall bis zur Sättigung tränken: Pferde laut Leitlinien mindestens dreimal täglich, Rinder bei starkem Frost laut Kreis Wesel mindestens zweimal täglich.
- Vorsorge treffen: Die Nutztierverordnung verlangt Vorsorge für den Fall einer Betriebsstörung. Halten Sie Kanister bereit, falls Strom oder Leitung ausfallen.
- Zugang frei halten: Der Platz an der Tränke muss für alle Tiere erreichbar und trittsicher sein.
- Hunde unterwegs versorgen: Auf längeren Winterspaziergängen Wasser mitnehmen. Danach die Pfoten gründlich reinigen, wie es die Tierklinik Hofheim empfiehlt.
Häufige Fragen
Wie viel Wasser braucht ein Pferd im Winter?
Als Richtwert gelten 3 bis 3,5 Liter je Kilogramm Futtertrockenmasse. Ein 500 Kilogramm schweres Pferd mit 10 Kilogramm Trockenmasse braucht so 30 bis 35 Liter am Tag. Weil Heu kaum Wasser enthält, kommt im Winter der größte Teil aus der Tränke.
Reicht Schnee als Wasserquelle?
Nein. Behörden und Fachleute sind sich einig, dass Schnee keine Tränke ersetzt. Bei Hunden kann gefressener Schnee zudem den Magen reizen.
Muss ich das Wasser für mein Pferd anwärmen?
Vorgeschrieben ist das nicht. Laut University of Minnesota trinken Pferde aber mehr, wenn das Wasser nicht eiskalt ist. Empfohlen werden etwa 7 bis 18 °C.
Wie oft muss ich die Tränke im Winter kontrollieren?
Mindestens einmal täglich, bei Frost besser mehrmals. Selbsttränken brauchen laut den Pferde-Leitlinien zusätzlich eine tägliche Funktionskontrolle.
Was tue ich, wenn die Tränke eingefroren ist?
Bieten Sie sofort Wasser in Eimern an. Pferde müssen dann laut Leitlinien mindestens dreimal täglich bis zur Sättigung trinken können. Danach Leitung oder Heizung prüfen.
Fazit
Im Winter müssen Tiere nicht weniger trinken, sondern eher mehr, weil Heu und Trockenfutter kaum Feuchtigkeit liefern. Frostsichere Tränken, tägliche Kontrollen und nicht eiskaltes Wasser helfen, dass Pferde, Rinder und Hunde genug trinken. Schnee ersetzt die Tränke nicht. Wie Sie Wasserbehälter und Leitungen sauber halten, lesen Sie in unserem Beitrag Algen im Wassertank verhindern.
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Quellen:
- Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Winter 2025/2026
- Deutscher Wetterdienst: Die agrarmeteorologische Situation im Winter 2025/2026 (PDF)
- Kreis Wesel, Veterinär- und Lebensmittelüberwachung: Merkblatt Freilandhaltung von Rindern (PDF)
- Bundeslandwirtschaftsministerium: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (PDF)
- LAVES Niedersachsen: Empfehlungen zur Freilandhaltung von Pferden (PDF)
- University of Minnesota Extension: Caring for your horse in the winter
- MSD Veterinary Manual: Diseases Associated with Colic in Horses by Anatomic Location
- MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals
- Umweltbundesamt: Tränkwasserversorgung im Stall
- Bundesministerium der Justiz: Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, § 4
- Bundesministerium der Justiz: Tierschutz-Hundeverordnung, § 8
- Tierklinik Hofheim: Schnee-Gastritis beim Hund
Titelbild: Grafik AnoKath, Foto: Vito Natale auf Unsplash (Unsplash-Lizenz).
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